Beim italienischen Aperitivo wirkt ein Weinglas oft ganz selbstverständlich elegant. Trotzdem stellt sich schnell die Frage, ob man es am Stiel, am Fuß oder am Kelch hält. Ich zeige, welche Haltung im Alltag und bei einer Weinprobe sinnvoll ist, warum sie die Temperatur beeinflusst und welche kleinen Etikette-Regeln in Italien wirklich zählen.
Die wichtigsten Handgriffe auf einen Blick
- Am Stiel greifen: So bleibt der Wein länger auf seiner vorgesehenen Temperatur.
- Den Kelch freilassen: Fingerabdrücke und unnötige Erwärmung werden vermieden.
- Nur bis etwa ein Drittel füllen: Das lässt Raum für Aromen und eine kontrollierte Drehbewegung.
- Mit Daumen und Zeigefinger halten: Die übrigen Finger stabilisieren das Glas locker.
- Ausnahmen kennen: Bei einem stiellosen Tumbler gelten andere Regeln als beim klassischen Weinglas.

Mit drei Fingern am Stiel liegt das Glas sicher
Wer ein Weinglas richtig halten möchte, fasst es am besten im unteren bis mittleren Bereich des Stiels an. Daumen und Zeigefinger bilden den sicheren Halt, der Mittelfinger liegt locker darunter. Ringfinger und kleiner Finger dürfen entspannt am Stiel oder am Fuß ruhen, müssen aber nicht demonstrativ abgespreizt werden.
Diese Haltung ist nicht kompliziert und muss auch nicht steif aussehen. Ich greife meist dort zu, wo sich das Glas bequem ausbalancieren lässt, ohne den Kelch zu berühren. Dadurch bleibt die Handhaltung locker, stabil und unauffällig, was bei einem Abendessen deutlich natürlicher wirkt als eine übertriebene Etikette-Pose.
Warum der Kelch nicht die beste Griffstelle ist
Der Kelch ist der Teil, in dem der Wein ruht. Hält man ihn mit der ganzen Hand, überträgt sich Körperwärme direkt auf den Inhalt. Das fällt besonders bei gekühltem Weißwein, Rosé und Schaumwein auf, weil sich ihre Frische schneller verändert.
Auch optisch spricht wenig für den Griff am Kelch. Fingerabdrücke verdecken die Farbe und hinterlassen bei einer Weinprobe einen unsauberen Eindruck. Für den kurzen Weg vom Tisch zum Mund ist das kein Drama, bei längerem Halten macht der Stiel jedoch einen spürbaren Unterschied.
Die richtige Haltung unterstützt Temperatur und Aromen
Ein Weinglas besitzt nicht zufällig Fuß, Stiel und Kelch. Der Stiel schafft Abstand zwischen Hand und Wein und erlaubt, das Glas vorsichtig zu schwenken. Dabei vergrößert sich die Oberfläche des Weins, sodass sich flüchtige Duftstoffe besser über dem Glas sammeln können.
Das Schwenken funktioniert am sichersten, wenn das Glas auf dem Tisch steht oder am unteren Stiel gehalten wird. Ich drehe es nur langsam und wenige Male, statt den Wein kräftig herumzuwirbeln. Zu viel Bewegung bringt kaum zusätzlichen Genuss und erhöht lediglich die Gefahr, dass etwas verschüttet wird.
| Weinart | Geeignete Haltung | Praktischer Grund |
|---|---|---|
| Weißwein und Rosé | Am Stiel, eher im unteren Bereich | Die kühle Temperatur bleibt länger erhalten. |
| Rotwein | Am Stiel, bei großem Kelch mit drei Fingern | Das Glas bleibt stabil und lässt sich kontrolliert schwenken. |
| Prosecco und Spumante | Am Stiel oder vorsichtig am Fuß | Die Kohlensäure wird weniger schnell erwärmt. |
| Stielloser Tumbler | Wie ein normales Trinkglas, möglichst weit unten | Eine alternative Glasform bietet keinen Stiel als Abstandshalter. |
Als grobe Orientierung serviert man viele Weißweine bei 8 bis 12 Grad Celsius und Rotweine je nach Stil bei etwa 14 bis 18 Grad. Das Glas am Kelch zu erwärmen, kann diese Balance schneller verändern. Bei einem kräftigen Rotwein ist der Effekt weniger auffällig als bei einem sehr frischen Pinot Grigio, aber das Grundprinzip bleibt gleich.
Rotwein, Weißwein und Prosecco verlangen keine völlig andere Technik
Die Grundregel bleibt bei allen klassischen Weingläsern identisch: Stiel statt Kelch. Unterschiede ergeben sich vor allem durch Größe und Form des Glases. Ein voluminöses Rotweinglas braucht etwas mehr Kontrolle, während ein schmales Weißweinglas bereits mit Daumen und Zeigefinger sicher gehalten werden kann.
Beim Rotweinglas
Große Kelche wirken eindrucksvoll, sind aber kopflastiger. Ich lege deshalb den Mittelfinger bewusst unter den Zeigefinger und halte den Stiel nicht zu weit oben. So bleibt das Glas stabil, ohne dass die Hand den Kelch umfasst.
Der Wein sollte nur ungefähr ein Drittel des Kelchs füllen. Bei einem Bordeauxglas kann etwas mehr eingeschenkt werden, solange genügend Luft über dem Wein bleibt. Ein randvoll gefülltes Glas lässt sich weder elegant schwenken noch sicher am Stiel tragen.
Beim Weißwein und Rosé
Schlanke Gläser sind leicht und verlangen keine besondere Kraft. Die Finger sitzen am besten in der Mitte des Stiels, während der Fuß auf dem Tisch bleibt, wenn man den Wein betrachtet oder riecht. Gerade bei kühlen Weinen vermeide ich es, das Glas lange in der Hand zu halten.
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Beim Prosecco und Spumante
In Italien gehört ein Glas Prosecco häufig zum Aperitivo. Auch hier greift man am Stiel, damit der Schaumwein frisch und kühl bleibt. Das Glas sollte nicht geschüttelt werden, und ein kleiner Schluck ist sinnvoller als hastiges Austrinken, weil sich die Perlage sonst schnell verliert.
Was die italienische Tischkultur tatsächlich vermittelt
In einer italienischen Trattoria oder bei einem Aperitivo geht es selten um starre Benimmregeln. Entscheidend sind Respekt vor dem Getränk, entspannte Geselligkeit und ein sicherer Umgang mit dem Glas. Wer den Kelch kurz berührt, weil er das Glas weiterreicht oder sich an einem vollen Tisch orientiert, begeht keinen großen Fauxpas.
Die klassische Haltung am Stiel passt trotzdem sehr gut zur italienischen Weinkultur. Sie lässt das Glas sauber, bewahrt die Trinktemperatur und unterstützt den bewussten Blick auf Farbe und Klarheit. Für mich ist sie deshalb weniger eine Frage von Luxus als eine kleine Gewohnheit, die den Genuss tatsächlich verbessert.
Auch beim Anstoßen sollte man nicht übertreiben. Das Glas wird sanft bewegt und eher am oberen Stielbereich geführt, statt die dünne Glaskante kräftig gegen andere Gläser zu schlagen. Bei hochwertigen, dünnwandigen Gläsern ist ein leichtes Berühren sicherer und eleganter.
Diese Fehler passieren besonders häufig
- Den Kelch mit der ganzen Hand umfassen: Der Wein wird schneller warm, und das Glas bekommt sichtbare Abdrücke.
- Das Glas am Fuß hochheben: Für einen kurzen Moment ist das möglich, bietet aber weniger Kontrolle als der Stiel.
- Den kleinen Finger abspreizen: Das sieht nicht kultivierter aus, sondern meist nur gestellt.
- Zu voll einschenken: Wenig Luft im Kelch erschwert das Riechen und macht das Schwenken riskant.
- Am Glasrand festhalten: Dort hinterlassen Finger besonders schnell Spuren und können beim Trinken stören.
Eine Ausnahme bilden stempellose Weingläser und Gläser im Tumbler-Stil. Sie sind für einen legeren Service gedacht und werden wie normale Trinkgläser gehalten, idealerweise im unteren Bereich. Entscheidend ist nicht, eine bestimmte Geste zu imitieren, sondern die Form des Glases sinnvoll zu nutzen.
Die kleine Übung für sicheren Weingenuss
Ein einfacher Test hilft, die Haltung zu verinnerlichen. Füllen Sie ein Glas nur zu einem Drittel, greifen Sie den Stiel mit Daumen und Zeigefinger und heben Sie es an, ohne dass der Kelch wackelt. Wenn Sie anschließend zwei ruhige Kreisbewegungen ausführen können, sitzt der Griff.
Mehr braucht es im Alltag nicht. Stiel greifen, Kelch freilassen, locker bleiben. So passt die Haltung sowohl zu einem festlichen Abendessen als auch zu einem entspannten Aperitivo mit italienischem Lebensgefühl.
