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Was ist Amarone? Herstellung, Geschmack und passende Gerichte

Hilda Seidl 24. April 2026
Amarone: Trauben, Flaschen, Wein im Glas, Weinberge. Aromen: Beeren, Kirschen, Pflaumen, Rosinen, Tabak, erdige Noten. Was ist Amarone? Ein edler Wein.

Inhaltsverzeichnis

Ein Amarone wirkt im Glas oft mächtig, warm und fast likörartig, obwohl er zu den trockenen Rotweinen gehört. Was ist Amarone? Dahinter steckt ein Wein aus dem Valpolicella-Gebiet bei Verona, dessen Trauben vor der Gärung getrocknet werden. Ich erkläre, wie dieser besondere Stil entsteht, woran Sie ihn erkennen, wie er sich von Ripasso und Recioto unterscheidet und welche Gerichte wirklich dazu passen.

Amarone verbindet getrocknete Trauben mit trockenem, kraftvollem Rotwein

  • Herkunft: Amarone della Valpolicella stammt aus dem Veneto rund um Verona.
  • Herstellung: Die Trauben trocknen beim Appassimento meist etwa 100 bis 120 Tage.
  • Geschmack: Typisch sind reife Kirsche, Trockenfrüchte, Gewürze, Kakao und eine kräftige Struktur.
  • Stil: Amarone ist in der Regel trocken, aber alkoholreich und konzentriert.
  • Servieren: Am besten bei 16 bis 18 °C und mit kräftigen Speisen genießen.

Getrocknete Trauben auf Holzböden – die Basis für Amarone. Was ist Amarone? Ein intensiver Rotwein aus Italien.

Was Amarone eigentlich ist

Amarone ist ein trockener italienischer Rotwein aus der Valpolicella nördlich von Verona. Die geschützte Bezeichnung lautet Amarone della Valpolicella DOCG. DOCG ist die höchste italienische Herkunftsstufe und legt unter anderem Anbaugebiet, Rebsorten und Herstellung fest.

Die wichtigste Besonderheit liegt nicht allein in der Rebsorte, sondern in der Behandlung der Trauben. Für Amarone werden vor allem Corvina, Corvinone und Rondinella verwendet. Das Consorzio Tutela Vini Valpolicella beschreibt Corvina als wichtigste Rebsorte der Region, weil sie Frucht, Farbe und typische Kirschnoten in den Wein bringt.

Der Name Amarone wird häufig mit „groß und bitter“ erklärt. Gemeint war ursprünglich vor allem die Abgrenzung zum süßen Recioto aus derselben Gegend. Mit einem bitteren Wein im strengen Sinn hat Amarone heute wenig zu tun. Er kann würzige oder leicht herbe Noten zeigen, schmeckt aber meist voll, fruchtig und trocken.

Warum der Wein so kräftig schmeckt

Die Herstellung beginnt mit dem sogenannten Appassimento. Dabei werden gesunde, reife Trauben nach der Ernte nicht sofort gepresst, sondern in gut belüfteten Räumen, den Fruttai, langsam getrocknet. Über einen Zeitraum von ungefähr 100 bis 120 Tagen verlieren sie Wasser, während Zucker, Säure, Aromen und Polyphenole konzentrierter werden.

Danach werden die eingeschrumpften Trauben vergoren. Beim Amarone lässt man die Gärung weitgehend durchlaufen, sodass ein trockener Wein entsteht. Ein Teil des konzentrierten Zuckers wird dabei in Alkohol umgewandelt. Deshalb liegen viele Amarone bei 15 bis 16,5 Volumenprozent, einzelne Weine auch darüber.

Im Glas zeigt sich diese Konzentration sofort. Ich finde, ein guter Amarone wirkt nicht einfach nur schwer, sondern verbindet reife Kirschfrucht mit Frische. Dazu kommen je nach Ausbau Pflaume, Feige, Tabak, Vanille, Kaffee, Schokolade und warme Gewürze. Zu viel Holz oder Alkohol kann den Wein allerdings unausgewogen wirken lassen.

Amarone ist deshalb kein Wein für nebenbei. Seine Kraft braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Wer ausschließlich leichte, frische Rotweine mag, wird ihn möglicherweise als zu wuchtig empfinden. Wer dagegen strukturierte Weine mit Tiefe schätzt, findet hier einen sehr eigenständigen Stil.

Amarone im Vergleich zu Valpolicella und Recioto

Die Weine stammen aus derselben Region, schmecken aber deutlich unterschiedlich. Der entscheidende Unterschied ist, ob die Trauben getrocknet werden und wie weit die Gärung fortschreitet.

Weinstil Herstellung Geschmack Typischer Einsatz
Valpolicella Frisch vinifizierte Trauben Leicht, fruchtig, oft kirschbetont Pasta, Pizza, einfache Fleischgerichte
Valpolicella Ripasso Zweite Gärung auf Amarone- oder Recioto-Trester Kräftiger und runder als Valpolicella Schmorgerichte, Grillgerichte, gereifter Käse
Amarone Getrocknete Trauben, vollständige Gärung Trocken, konzentriert, alkoholreich und komplex Wild, Braten, kräftige Schmorgerichte
Recioto Getrocknete Trauben, Gärung wird für mehr Süße gestoppt Süß, dicht, fruchtig und samtig Desserts, Schokolade, kräftiger Käse

Gerade Ripasso und Amarone werden im Handel oft miteinander verwechselt. Ripasso ist normalerweise zugänglicher und preislich moderater, während Amarone mehr Konzentration, Alkohol und Reife mitbringt. Recioto wiederum ist kein trockener Amarone, sondern die süße Schwester aus der gleichen traditionellen Herstellung.

Ich würde Einsteigern häufig einen guten Ripasso empfehlen, wenn sie kräftige italienische Rotweine erst kennenlernen möchten. Wer die intensive, getrocknete Frucht und den langen Nachhall sucht, sollte direkt zu einem Amarone greifen.

Welche Speisen wirklich zu Amarone passen

Die beste Regel beim Pairing lautet für mich: Die Speise muss dem Wein etwas entgegensetzen können. Ein zarter Fisch oder ein leichtes Gemüsegericht geht neben 15 oder mehr Volumenprozent Alkohol und konzentrierter Frucht schnell unter.

Kräftige Fleischgerichte

Sehr gut funktionieren geschmorte Rinderbäckchen, Ossobuco, Rinderrouladen, Wildragout und kräftiges Gulasch. Die Gelatine und das Fett aus langsam geschmorten Gerichten machen die Tannine weicher, während die Frucht des Weins die dunklen Röstaromen aufnimmt.

Auch eine Entenbrust mit dunkler Sauce oder ein rosa gebratenes Rindersteak kann passen. Ich würde dabei auf süßliche Fertigsaucen verzichten. Zu viel Zucker lässt den Wein alkoholischer und härter erscheinen.

Italienische Gerichte mit Tiefe

Amarone begleitet gerne Ragù aus Rind oder Wild, Lasagne mit kräftiger Fleischsauce und Risotto mit Pilzen oder geschmortem Rind. Ein Risotto all’Amarone ist eine naheliegende Kombination, sollte aber nicht ausschließlich nach Wein schmecken. Brühe, Parmesan und eine moderate Menge Amarone sorgen für mehr Balance.

Vegetarische Alternativen gibt es ebenfalls. Ein dunkles Pilzragout, gebratene Polenta mit Waldpilzen oder geröstete Aubergine mit kräftiger Kräutersauce besitzen genug Umami und Röstaromen, um den Wein nicht blass wirken zu lassen.

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Käse und der richtige Abschluss

Gereifter Hartkäse wie Parmigiano Reggiano, Montasio oder ein kräftiger Bergkäse passt sehr zuverlässig. Bei sehr salzigen Käsen sollte der Wein ausreichend Frische besitzen, sonst wirkt die Kombination schnell schwer.

Als Dessertwein ist Amarone nicht gedacht. Zu süße Nachspeisen lassen ihn trocken und alkoholisch erscheinen. Wenn ich ihn nach dem Essen serviere, dann eher allein als vino da meditazione oder zu einem kleinen Stück dunkler Schokolade mit hohem Kakaoanteil.

So servieren Sie Amarone richtig

Die ideale Serviertemperatur liegt meist bei 16 bis 18 °C. Bei 22 °C, also typischer warmer Zimmertemperatur, tritt der Alkohol deutlich stärker hervor. Im Sommer stelle ich die Flasche deshalb lieber kurz in den Kühlschrank und lasse sie am Tisch langsam auf Temperatur kommen.

Ein großes Rotweinglas hilft, die Aromen zu sammeln. Junge, sehr dichte Weine dürfen etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Essen geöffnet werden. Bei älteren Jahrgängen ist vorsichtiges Dekantieren sinnvoll, wenn sich Depot gebildet hat. Nicht jeder Amarone braucht jedoch stundenlange Belüftung, denn zu viel Sauerstoff kann gereifte Frucht schneller abbauen.

Eine 0,75-Liter-Flasche ergibt bei einer moderaten Ausschankmenge von 125 Millilitern ungefähr sechs Gläser. Wegen des hohen Alkoholgehalts schenke ich eher etwas weniger ein und serviere bei Bedarf nach. So bleibt der Wein präsent, ohne den Abend zu dominieren.

Nach dem Öffnen sollte die Flasche gut verschlossen und kühl gelagert werden. Ein kräftiger Amarone hält sich oft noch ein bis drei Tage, aber seine Frucht verändert sich. Für mich ist der zweite Tag nicht automatisch schlechter, sondern manchmal sogar zugänglicher.

Woran Sie einen passenden Amarone erkennen

Auf dem Etikett sollte Amarone della Valpolicella DOCG stehen. Die Bezeichnung „Appassimento“ allein reicht nicht aus, denn sie kann auch für andere Weine aus getrockneten Trauben verwendet werden. Die Herkunft aus der Valpolicella und die DOCG-Angabe sind die verlässlichsten Orientierungspunkte.

Ein hoher Preis garantiert allerdings keinen besseren Geschmack. Entscheidend sind für mich ein stimmiges Verhältnis von Alkohol, Frucht, Säure und Tannin sowie ein sauberer, langer Abgang. Bewertungen können bei der Auswahl helfen, ersetzen aber nicht die Frage, welchen Stil Sie mögen: modern und kraftvoll oder eher elegant, trocken und kräuterwürzig.

Für den ersten Kauf würde ich keinen extrem jungen oder besonders alkoholreichen Amarone wählen. Ein gut gemachter Jahrgang mit ausgewogener Säure und eingebundenem Holz zeigt besser, warum dieser Wein mehr sein kann als eine schwere Fruchtbombe.

Der beste Moment für eine Flasche Amarone

Amarone passt besonders dann, wenn das Essen langsam, herzhaft und gesellig wird. Er braucht kein kompliziertes Menü, aber eine Speise mit Röstaromen, Fett oder kräftiger Würze. Genau dort zeigt sich seine Stärke.

Meine kurze Empfehlung lautet daher: Bei kräftigem Schmorgericht servieren, auf 16 bis 18 °C bringen, nicht zu große Gläser wählen und dem Wein etwas Luft geben. Wer einen leichteren Einstieg sucht, nimmt Ripasso; wer Süße zum Dessert möchte, greift zum Recioto. So lässt sich der Charakter der Valpolicella deutlich besser verstehen.

Häufig gestellte Fragen

Beim Appassimento trocknen gesunde, reife Trauben in gut belüfteten Räumen etwa 100 bis 120 Tage. Dabei verlieren sie Wasser, während Zucker, Säure, Aromen und Polyphenole konzentrierter werden. Anschließend vergären die Trauben weitgehend vollständig zu einem trockenen Wein.

Amarone wird aus getrockneten Trauben hergestellt und vollständig vergoren, wodurch er trocken, konzentriert und alkoholreich wird. Ripasso durchläuft eine zweite Gärung auf Amarone- oder Recioto-Trester und ist meist zugänglicher. Bei Recioto wird die Gärung für mehr Süße gestoppt.

Amarone passt zu kräftigen Speisen wie Rinderbäckchen, Ossobuco, Wildragout, Gulasch, Rind- oder Wildragù und Lasagne mit Fleischsauce. Auch Pilzragout, gebratene Polenta, gereifter Hartkäse und ein kleines Stück dunkle Schokolade können harmonieren.

Servieren Sie Amarone idealerweise bei 16 bis 18 °C in einem großen Rotweinglas. Junge, dichte Weine können 30 bis 60 Minuten vor dem Essen geöffnet werden. Ältere Jahrgänge sollten bei Depot vorsichtig dekantiert werden, da zu viel Sauerstoff gereifte Frucht abbauen kann.

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Autor Hilda Seidl
Hilda Seidl
Ich bin Hilda Seidl und seit nunmehr 3 Jahren tauche ich tief in die Welt der italienischen Kulinarik, des Weins und der Lebensart ein. Meine Begeisterung für diese Themen begann mit meiner ersten Reise nach Italien, wo ich die authentische Gastfreundschaft und die Fülle an Aromen erlebte. Seitdem ist es mir ein Anliegen, dieses Savoir-vivre weiterzugeben und die oft komplexen Zusammenhänge rund um italienische Gerichte, erlesene Weine und die dazugehörigen Traditionen für Sie verständlich aufzubereiten. Dabei lege ich Wert darauf, meine Recherchen sorgfältig durchzuführen und Ihnen stets fundierte, aktuelle und leicht nachvollziehbare Informationen zu liefern, damit Sie die italienische Lebensart auch zu Hause genießen können.

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