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Americano zubereiten - das ideale Verhältnis und wichtige Tipps

Hilda Seidl 29. Juni 2026
Ein dampfender americano kaffee mit schöner Crema in einer dunklen Tasse auf einem rustikalen Holztisch.

Inhaltsverzeichnis

Ein Americano ist die richtige Wahl, wenn du den Geschmack eines Espressos magst, aber eine größere, sanftere Tasse trinken möchtest. Ich zeige dir, wie das Getränk entsteht, welches Verhältnis von Espresso und Wasser gut funktioniert, worin der Unterschied zu Filterkaffee liegt und welche Fehler den Geschmack unnötig verwässern.

Die wichtigsten Fakten zum Americano auf einen Blick

  • Grundrezept: Espresso wird mit heißem Wasser verlängert, nicht mit Wasser gemeinsam aufgebrüht.
  • Mengen: Ein doppelter Espresso mit etwa 120 bis 180 ml Wasser ergibt eine ausgewogene Tasse.
  • Geschmack: Der Kaffee bleibt aromatisch wie Espresso, wirkt aber weniger konzentriert und bitter.
  • Unterschied zu Filterkaffee: Beim Americano wird der Espresso zuerst extrahiert und erst danach verdünnt.
  • Crema: Das Wasser sollte langsam und vorsichtig zugegeben werden, wenn die Crema erhalten bleiben soll.

Was ein Americano eigentlich ist

Ein Americano besteht aus Espresso und heißem Wasser. Der Espresso wird zunächst separat extrahiert, anschließend kommt das Wasser dazu. Dadurch entsteht ein größeres Getränk mit deutlich milderer Konzentration, ohne dass die typischen Röstaromen und die dichte Espresso-Basis verloren gehen.

Die oft erzählte Geschichte führt den Namen in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück. Amerikanische Soldaten in Italien sollen den kräftigen Espresso mit Wasser verlängert haben, weil sie eine größere Tasse Kaffee gewohnt waren. Ob diese Erklärung im Detail stimmt, lässt sich historisch nicht lückenlos belegen. Sie beschreibt aber sehr anschaulich, warum sich diese Zubereitungsart verbreitet hat.

In Italien bestelle ich dafür eher ausdrücklich einen caffè americano, denn ein „caffè lungo“ ist nicht dasselbe. Diese Unterscheidung wird auch in deutschen Cafés manchmal übergangen, obwohl sie für den Geschmack entscheidend ist.

So gelingt die Zubereitung zu Hause

Für eine ausgewogene Tasse empfehle ich einen doppelten Espresso mit etwa 120 bis 180 ml Wasser. Das Verhältnis ist keine starre Regel. Wer einen intensiveren Kaffee bevorzugt, startet mit 90 bis 120 ml. Für eine besonders große und milde Tasse sind 180 bis 240 ml sinnvoll.

  1. Erhitze frisches Wasser auf ungefähr 85 bis 95 °C. Es sollte heiß sein, aber nicht sprudelnd kochen.
  2. Bereite einen einfachen oder doppelten Espresso zu. Ein doppelter Espresso liefert meist mehr Körper und passt besser zu einer großen Tasse.
  3. Gib das Wasser langsam zum Espresso. Für mehr Crema kommt zuerst das Wasser in die Tasse, danach der Espresso.
  4. Probiere den Kaffee und passe die Wassermenge an. Mehr Wasser macht ihn milder, verändert aber nicht die Menge des bereits extrahierten Koffeins.

Mein bevorzugter Ausgangspunkt sind 36 bis 40 ml Espresso und 120 ml Wasser. Das ergibt einen kräftigen, aber nicht erschlagenden Americano. Bei dunklen Röstungen reduziere ich die Wassermenge etwas, während fruchtige, hellere Röstungen oft von mehr Wasser profitieren.

Espresso zuerst oder Wasser zuerst

Beide Varianten sind möglich, aber sie schmecken nicht ganz gleich. Wird der Espresso auf das Wasser gegossen, bleibt die Crema meist besser erhalten, und das Getränk wirkt runder. Gießt du das Wasser auf den Espresso, wird die Crema stärker aufgebrochen und der Geschmack kann etwas direkter erscheinen.

Für die Optik ist Wasser zuerst die bessere Methode. Für das unkomplizierte Arbeiten zu Hause reicht es jedoch völlig aus, den Espresso direkt mit heißem Wasser zu verlängern. Entscheidend sind frische Bohnen, gutes Wasser und eine passende Extraktion.

Americano, Caffè lungo und Filterkaffee im Vergleich

Die drei Getränke sehen in der Tasse ähnlich aus, entstehen aber durch unterschiedliche Verfahren. Genau deshalb schmecken sie nicht einfach wie Varianten desselben Kaffees.

Getränk Zubereitung Typischer Geschmack Geeignet für
Americano Espresso plus heißes Wasser Kräftig, klar, weniger konzentriert Espresso-Fans, die eine größere Tasse möchten
Caffè lungo Mehr Wasser läuft durch das Kaffeemehl Intensiver, manchmal bitterer Menschen, die eine längere Espresso-Extraktion mögen
Filterkaffee Wasser durchläuft gemahlenen Kaffee im Filter Leichter, differenzierter, oft fruchtiger Große Tassen und langsames Trinken

Der wichtigste Unterschied liegt in der Extraktion. Beim Americano wird der Espresso nicht länger durch das Kaffeemehl gezogen. Das Wasser verdünnt ihn erst danach. Beim Lungo verlängerst du dagegen die Kontaktzeit zwischen Wasser und Kaffeemehl, wodurch sich auch mehr unerwünschte Bitterstoffe lösen können.

Wenn du eine große Tasse mit möglichst klaren Espressonoten möchtest, ist der Americano meistens die bessere Wahl. Suchst du dagegen einen klassischen Frühstückskaffee mit feinen, hellen Aromen, kann ein guter Filterkaffee überzeugender sein.

Welche Bohnen und welches Wasser passen

Für einen Americano funktionieren sowohl Arabica- als auch Robusta-Mischungen. Eine klassische italienische Mischung mit mittlerer bis dunkler Röstung liefert viel Körper, Schokolade und Nuss. Helle Röstungen bringen mehr Säure und Fruchtigkeit in die Tasse, wirken verdünnt aber manchmal dünn.

Ich würde Einsteigern keine extrem helle Spezialitätenröstung empfehlen, wenn sie bisher vor allem kräftigen Café crema getrunken haben. Eine ausgewogene Mischung aus Arabica und etwas Robusta ist oft der bessere Übergang, weil sie auch bei mehr Wasser genügend Körper behält.

Das Wasser wird häufig unterschätzt. Sehr hartes Wasser kann Aromen stumpf wirken lassen und die Maschine verkalken. Ideal ist frisches, geschmacksneutrales Wasser mit mittlerer Mineralisierung. Gefiltertes Leitungswasser ist in vielen deutschen Haushalten ein guter Kompromiss.

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Die richtige Mahlung und Extraktion

Die Bohnen sollten für den Espresso fein gemahlen werden. Läuft der Espresso deutlich schneller als etwa 25 Sekunden durch, schmeckt der Americano oft sauer und leer. Dauert die Extraktion deutlich länger, können starke Bitterkeit und Trockenheit entstehen.

Das Wasser kaschiert keinen schlecht zubereiteten Espresso. Es macht einen überextrahierten Shot nicht automatisch angenehmer, sondern verteilt dessen Bitterkeit nur auf eine größere Menge. Deshalb würde ich zuerst Mahlgrad und Bezugszeit korrigieren und erst danach mit dem Wasserverhältnis experimentieren.

Wie sich Geschmack, Koffein und Kalorien verändern

Ein Americano schmeckt milder als ein Espresso, enthält aber nicht automatisch weniger Koffein. Entscheidend ist vor allem, wie viele Espressi verwendet werden. Ein einfacher Shot liegt häufig bei ungefähr 50 bis 80 mg Koffein, ein doppelter entsprechend höher. Die Zugabe von Wasser verändert die Konzentration, nicht die bereits extrahierte Gesamtmenge.

Kalorien spielen kaum eine Rolle, solange du den Kaffee schwarz trinkst. Ein Americano ohne Zucker und Milch hat normalerweise weniger als 10 Kilokalorien. Sirup, Zucker oder Sahne machen aus dem schlanken Kaffeegetränk allerdings schnell eine deutlich gehaltvollere Variante.

Geschmacklich wirkt ein Americano oft weniger bitter, obwohl derselbe Espresso verwendet wird. Das liegt nicht daran, dass Bitterstoffe verschwinden, sondern daran, dass sie sich auf mehr Flüssigkeit verteilen und die Wahrnehmung dadurch weicher wird.

Typische Fehler, die den Kaffee wässrig machen

Der häufigste Fehler ist zu viel Wasser. Ein einzelner Espresso in einer 300-ml-Tasse wirkt fast immer dünn, sofern die Bohnen nicht außergewöhnlich kräftig sind. Für diese Größe verwende ich lieber einen doppelten Espresso oder reduziere die Tassenmenge auf etwa 180 bis 220 ml.

  • Zu kaltes Wasser: Der Kaffee verliert Temperatur und schmeckt flach.
  • Wasser aus dem Wasserkocher mit voller Kochtemperatur: Es kann die feinen Aromen überdecken und den Kaffee unnötig hart wirken lassen.
  • Alte Bohnen: Nach dem Öffnen verlieren sie schnell an Duft und wirken besonders in verdünnten Getränken leer.
  • Zu grober Mahlgrad: Der Espresso wird unterextrahiert und bringt zu wenig Süße mit.
  • Zu langes Nachlaufen: Ein vermeintlich größerer Espresso wird häufig bitterer statt aromatischer.

Auch die Tasse macht einen Unterschied. Eine vorgewärmte Tasse hält den Kaffee länger auf Temperatur und verhindert, dass der Espresso beim Kontakt mit kaltem Porzellan sofort abkühlt. Für mich ist das eine kleine Maßnahme mit erstaunlich großer Wirkung.

Wann ein Americano besonders gut passt

Das Getränk eignet sich für den langen Vormittag, für ein ruhiges Gespräch oder als Alternative zu einem großen Filterkaffee. Es passt besonders gut, wenn du Espressoaromen ohne die kleine Espressomenge möchtest.

Im Sommer kannst du die heiße Variante abkühlen lassen und über Eis geben. Ein Iced Americano schmeckt am besten mit einem etwas kräftigeren Espresso, weil das Eis den Kaffee zusätzlich verdünnt. Milch gehört nicht zum klassischen Rezept, kann aber natürlich ergänzt werden, wenn du eine weichere Tasse bevorzugst.

Beim Bestellen in Deutschland genügt meist „ein Americano“ oder „Espresso mit heißem Wasser“. In einer traditionellen italienischen Bar solltest du mit einer größeren Tasse rechnen als beim normalen Espresso, aber nicht unbedingt mit einem Getränk, das an deutschen Filterkaffee erinnert. Genau darin liegt sein Reiz: Der Charakter bleibt italienisch, nur das Trinktempo wird etwas entspannter.

Die beste Ausgangsbasis für deine eigene Tasse

Starte mit einem doppelten Espresso, 120 ml heißem Wasser und einer mittelkräftigen Röstung. Schmeckt die Tasse zu intensiv, erhöhst du die Wassermenge in kleinen Schritten. Wirkt sie leer oder wässrig, brauchst du meist weniger Wasser oder einen kräftigeren Espresso.

Ich würde außerdem nicht nur auf die Crema achten. Eine schöne Schaumschicht sieht ansprechend aus, sagt aber allein wenig über die Qualität aus. Entscheidend sind Süße, Klarheit und ein angenehmer Nachgeschmack. Wenn diese drei Punkte stimmen, hast du deinen persönlichen Americano gefunden.

Häufig gestellte Fragen

Ein guter Ausgangspunkt sind 36 bis 40 ml doppelter Espresso und 120 ml heißes Wasser. Für eine intensivere Tasse genügen 90 bis 120 ml, für eine mildere Variante sind 180 bis 240 ml sinnvoll.

Beim Americano wird der Espresso zuerst extrahiert und anschließend mit heißem Wasser verdünnt. Beim Lungo läuft mehr Wasser durch das Kaffeemehl, während beim Filterkaffee das Wasser den gemahlenen Kaffee im Filter durchläuft. Dadurch schmeckt ein Lungo oft bitterer und Filterkaffee meist leichter und differenzierter.

Für mehr Crema kommt zuerst das heiße Wasser in die Tasse und danach der Espresso. Wird das Wasser direkt auf den Espresso gegossen, wird die Crema stärker aufgebrochen und der Geschmack kann direkter wirken.

Verwende bei einer größeren Tasse besser einen doppelten Espresso und nicht zu viel Wasser. Achte außerdem auf frische Bohnen, einen feinen Mahlgrad und eine Extraktionszeit von ungefähr 25 Sekunden. Ein deutlich zu schneller Bezug schmeckt oft sauer und leer, ein zu langer Bezug bitter und trocken.

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Autor Hilda Seidl
Hilda Seidl
Ich bin Hilda Seidl und seit nunmehr 3 Jahren tauche ich tief in die Welt der italienischen Kulinarik, des Weins und der Lebensart ein. Meine Begeisterung für diese Themen begann mit meiner ersten Reise nach Italien, wo ich die authentische Gastfreundschaft und die Fülle an Aromen erlebte. Seitdem ist es mir ein Anliegen, dieses Savoir-vivre weiterzugeben und die oft komplexen Zusammenhänge rund um italienische Gerichte, erlesene Weine und die dazugehörigen Traditionen für Sie verständlich aufzubereiten. Dabei lege ich Wert darauf, meine Recherchen sorgfältig durchzuführen und Ihnen stets fundierte, aktuelle und leicht nachvollziehbare Informationen zu liefern, damit Sie die italienische Lebensart auch zu Hause genießen können.

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